Kongress: Wer kann die Forschungsangst der Deutschen erklären?

Wie gelingt es, Forschungsergebnisse rascher in marktfähige Produkte umzusetzen, damit hochqualifizierte Arbeitsplätze in Deutschland gesichert und neue geschaffen werden? So lautete eine der zentralen Fragen des LifeSciences-Kongresses des FDP Bürgerfonds, der unter dem Motto „Wachstums- und Innovationsmotor für Deutschland – auch in Krisenzeiten“ stattfand. Während der fünfstündigen Veranstaltung war global gesehen die Welternährung Themenschwerpunkt, national jedoch die Furcht vor den so genannten roten und grünen Biotechnologien.

Dirk Niebel
Dirk Niebel
Aus Sicht von FDP-Generalsekretär Dirk Niebel sei dementsprechend auch die zentrale Frage, wie wir es „insgesamt“ mit moderner Technologie halten. Er kritisiert, dass die Rahmenbedingungen für Forschung in Deutschland so schlecht seien, dass viele Experten für ihre Arbeit auswanderten und eine kaum zu deckende Lücke hinterließen. Mit Blick auf die grüne Gentechnik, betonte Niebel angesichts einer unausgewogenen Welternährung, dass wer Misstrauen säe, werde Hunger ernten.

FDP-Forschungsexpertin Cornelia Pieper erklärte, dass für ihre Partei Bildung und Forschung weiterhin „das Zukunftsthema“ sei. Forschende Unternehmen würden gegenwärtig jedoch noch von zwei Seiten behindert. „Immer stärker werdender Konkurrenzdruck sowie überbordende Bürokratie und Regulierungswut nehmen die Luft zum Atmen“, so Pieper. Sie kritisierte zudem, dass hierzulande, die Erfolge „weniger kommuniziert“ würden als die Skepsis, die viele beim Gedanken an Forschung befällt. Sie warnte zudem vor generellen Forschungsverboten. Diese würden Kranke desillusionieren, die auf Gegenmittel warten.

Wolfgang Plischke
Wolfgang Plischke
Wolfgang Plischke, Vorstandsvorsitzender des Verbandes der forschenden Pharmaunternehmen und Mitglied des Vorstandes der Bayer AG, verwies im Anschluss auf die enormen Investitionsanstrengungen allein der Pharmaunternehmen. So kämen aus diesem Bereich zehn Prozent der gesamten Gelder für Forschung in Deutschland. Er kritisierte, dass die gegenwärtige Regierung durch ihre Gesundheitspolitik für einen „Regulierungsdschungel“ verantwortlich sei, in dem sich viele Verordnungen widersprechen würden. Seine Branche brauche keine Bürgschaften, sei aber auf Planungssicherheit angewiesen, machte Plischke deutlich. Er forderte abschließend, dass Industrie, Forschung und Politik „zusammen wirken“ müssten.

Arno Krotzky, Günther Wess, Barbara Gillmann, Ulrike Flach
Arno Krotzky, Günther Wess, Barbara Gillmann, Ulrike Flach
In der anschließenden Podiumsdiskussion debattierten Experten, welche „neuen Impulse für den Biotechnologie- und Pharmastandort Deutschland“ von Nöten seien. Günther Wess, Geschäftsführer des Helmholtz-Zentrums München, betonte, dass er die Angst der Deutschen vor der Forschung nicht erklären könne. Deutschland gelte weltweit als technologiefeindliches Land und warum solle man in einem Land investieren, dass Fortschritt nicht belohne. Arno Krotzky, vom Unternehmen Metanomics, kritisierte ebenfalls die „emotional aufgeheizte Debatte“ bei der grünen Biotechnologie, die ihn an die Einführung der roten Biotechnologie erinnere. FDP-Forschungsexpertin Ulrike Flach zog insbesondere die Presse mit in die Betrachtung. Diese trage eine hohe Verantwortung, schlage mit vielen negativen Beispielen aber häufig alle Bemühungen tot, so Flach.

Unter dem Motto "Innovative Unternehmensgründungen und Produkteinführungen in Deutschland erleichtern", brachten die Podiumsteilnehmer des zweiten Panels das "eher unfreundliche Investitionsklima" in Deutschland zur Sprache. Georg-Burkhard Kresse von der Roche Pharma Research forderte "faire Spielregeln für alle". Wolfgang Plischke sieht schnelle Produkteinführungen vor allem durch eine Vielzahl an Regularien behindert. Für die forschungspolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, Cornelia Pieper, stehen die kleineren und mittleren Unternehmen dieses Marktsegments im Mittelpunkt. Diese müssten Anreize erhalten, um neue Produkte und Verfahren unbürokratisch auf den Markt zu bringen. Sie beklagte die stark rückläufige staatliche Forschungsförderung und plädierte unter anderem für unkompliziertere Forschungsprämien und Projektförderungen, um die Innovationsfähigkeit kleinerer Firmen zu unterstützen.

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